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Auf Schneeschuhen durch Grönland Band 2 - Fridtjof Nansen Auf Schneeschuhen durch Grönland Band 2 Fridtjof Nansen · 1897
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Auf Schneeschuhen durch Grönland Band 2 audiobook - listen free online

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Translation: M. Mann · Publisher: Verlagsanstalt und Druckerei Actien-Gesellschaft (vormals J. F. Richter) · Narration: Yessy, SowasVon, Mefice +2, LibriVox

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Früh am Abend, ungefähr um 8 Uhr, landeten wir endlich in dichtem Nebel bei unserm letzten Zeltplatz an der Ostküste von Grönland. Im selben Augenblick, als ich den Fuß ans Land setzte, stieg ein Schwarm Schnepfen auf und ließ sich gleich wieder auf einem Stein ganz in unserer Nähe nieder. Mit einem Schuß erlegte ich vier dieser leckeren Vögel; das war ein guter Anfang. Balto war so muthig und obenauf, daß er, kaum an Land gekommen, die große Sünde beging, einen der Pfarrer in Finmarken in einer längeren Messe nachzuahmen, was ihm vorzüglich gelang; er würde es jedoch niemals gethan haben, wenn er seines Lebens nicht ganz sicher gewesen wäre. Heute leistete er sich auch sogar einen kleinen Fluch, was seit langer Zeit nicht mehr vorgekommen war. Ja, er lieferte Ravna sein neues Testament in lappländischer Sprache zurück, das er von diesem geliehen und für ihn aufbewahrt hatte. Er meinte, jetzt habe er keine Verwendung mehr dafür. Als Sverdrup ihm sagte, er solle seiner Sache nur nicht gar zu sicher sein, es wäre noch mancher harte Strauß zu bestehen, ehe er die Westküste erreichte, wurde er doch ein wenig bedenklich und hielt mit dem Fluchen inne. Wir hatten nach und nach eine gute Uebung im schnellen Löschen unseres Bootes erlangt, niemals aber haben wir schneller gelöscht als an diesem Abend. Es lag ein fröhlicher Eifer in allem, was wir vornahmen, und derselbe wurde noch gesteigert durch mein Versprechen, Kaffee zu kochen. In meinen Tagebuchaufzeichnungen von diesem Tage heißt es u. a. folgendermaßen: „Während die Boote geleert wurden, machte ich mich ans Kaffeekochen. (Es war die zweite warme Mahlzeit in den zwölf Tagen, die wir an der Ostküste zugebracht hatten.) Der Kaffee und das Abendessen wurden auf den Felsklippen unten bei den Böten in heiterster Stimmung eingenommen, -- selbst die Lappen waren vergnügt. Wir hatten das Gefühl, einen Bestimmungsort erreicht und eine Schwierigkeit überwunden zu haben. Freilich stand uns der beschwerlichste Theil der Reise noch bevor, aber da war festerer Grund für unsere Schritte, sicheres Eis für unsere Berechnungen, -- keine treibenden Eisschollen, keine Böte, die jeden Augenblick zerschellen konnten. Besonders für die Lappen war das Inlandseis mit seinen Schneefeldern heimischer als das wandelbare Treibeis. Die Landschaft, die uns umgab, würde nicht jedem Auge so schön erschienen sein wie dem unsrigen. Es waren graue Gneisfelsen, auf denen wir saßen, und zu beiden Seiten waren wir von Eisgletschern umgeben, die direkt ins Meer hinausgingen. Der Nebel hatte sich ein wenig verzogen, so daß auch der Berg (Kiatak) wenigstens theilweise sichtbar wurde. Auf dem Wasser schwammen hie und da einige Stücke Gletschereis. Es war eine Mischung von Grau und Weiß, hin und wieder von Blau unterbrochen, -- graue Luft, bleigraues Meer mit weißen Eisschollen und graue Felsen mit weißem Schnee rings umher und dann ein klein wenig Blau in den Schluchten der Gletscher oder in dem Gletschereis draußen auf dem Wasser. Aber in unsern Herzen war kein Grau!“ Mit eigenthümlich frohen Empfindungen legten wir uns an jenem Abend schlafen, nachdem wir ziemlich hoch am Berg hinauf einen passenden Zeltplatz gefunden hatten. [Illustration: Aussicht gegen Osten von unserem letzten Zeltplatz an der Ostküste. Kiatak. Am Morgen des 11. August. (Nach einer Photographie.)] Der 11. August brach mit dem herrlichsten Wetter an. Von dem Platz vor dem Zelt sah man das blaue Meer sich im Sonnenschein bis an den Horizont erstrecken, nur hie und da schwammen weiße Eisberge auf der kaltblauen Tiefe, über welcher die vom schwachen Morgenwinde erregten Wogen in der Sonne spielten und glitzerten. Im Süden sahen wir die Kolberger-Heide mit ihren Schnee- und Eismassen und ihren unzähligen Nunataks aus dem Meere aufragen. Vor uns im Osten erhob der +Kiatak+ seine gewaltige Kegelform von der blauen Tiefe bis zu dem wolkenfreien, klaren Augusthimmel. Von diesem Steinriesen aus und überall nach Norden hin breitete das Inlandseis seine weißen Massen gegen den Horizont. Zu unterst werden diese Massen immer blauer, zerrissener und zerklüfteter, bis sie in einer hohen, zersplitterten Eiswand unten an der See enden. Von diesen tiefblauen Eiswänden stammen die vielen Eisstücke, die rings umher auf dem Meere schwimmen, und die mit donnerähnlichem Getöse herabstürzen. Ganz oben aber wölbt sich das Eis gleich einer einzigen weißen Fläche, die nur hie und da von einzelnen tiefblauen Spalten durchfurcht wird; schließlich verliert man sie aus den Augen, weiß und fast warm hebt sie sich von der bläulichgrünen Farbe des Himmels ab. Nicht viele Laute vernimmt man in dieser Natur. Nur die schrillen Schreie der Seeschwalbe dringen an dein Ohr, während du dort stehst, überwältigt von der großartigen, aber noch sterilen Schönheit dieser Natur. Von Zeit zu Zeit vernimmt man ein Getöse, das eine täuschende Aehnlichkeit mit Kanonenschüssen hat, -- es ist das Krachen des Gletschereises, in dem sich ein neuer Riß bildet, oder das eine kleine Bewegung nach dem Meere zu macht. Vergißt man einen Augenblick, wo man ist, oder hört man dies Getöse des Morgens im Halbschlaf, so kann man sich gar leicht davon täuschen lassen. Doch die Sonne ruft uns zur Arbeit, -- da heißt es, das Frühstück in aller Eile einnehmen. Die meisten Mitglieder der Expedition werden sofort dabei angestellt, den Rost von den Schlittenschienen und später auch den von dem Stahlbeschlag der Schneeschuhe abzukratzen. In ihrem jetzigen Zustand, von Seewasser und Feuchtigkeit arg mitgenommen, würden wir nicht weit damit kommen. Dietrichson soll eine Karte über die Bucht, die Landzunge und die nächsten Theile des Inlandseises aufnehmen, während Sverdrup und ich unsere erste Wanderung über das Inlandseis vornehmen. Wir mußten ja untersuchen, ob hier vorwärts zu kommen war, sowie wo es am besten war anzufangen. Ich kann nicht leugnen, daß wir vor Ungeduld brannten, einen ersten Blick über diese ~terra incognita~ zu werfen, die wohl noch kein menschlicher Fuß betreten hatte. Es mußten jedoch verschiedene Vorbereitungen gemacht werden, ehe wir fortkommen konnten; heute, wo die Sonne schien, mußten wir allerlei astronomische Observationen anstellen, auch einige photographische Aufnahmen ließen sich vorzüglich bei diesem Wetter machen. Endlich, als die Sonne den Meridian passirt hatte und wir die Mittagshöhe gemessen hatten, waren wir fertig. Der Futtersack ist geschnürt, ein Alpenseil und Eisäxte haben wir auch, und so ziehen wir von dannen, den Felsabhang (ich habe ihn +Nordenskjöld Nunatak+ genannt) hinan, der sich vom Zelte aus eine Strecke landeinwärts hinzieht gleich einer Insel im Inlandseise. Bald waren wir oben angelangt. Vor uns lag eine kleine Moräne, von der wir eine gute Aussicht über das Eis hatten. Wir sahen jetzt, daß es nicht so eben war, wie es von der See aus schien, zahlreiche Risse durchfurchten die weiße Oberfläche nach allen Richtungen hin. Vor allem war dies der Fall über den beiden Eisströmen oder Gletschern, die sich zu beiden Seiten vor uns ausbreiteten, der eine nach Norden, der andere nach Süden zu. Nachdem wir den nördlichen Gletscher untersucht und seine Oberfläche als ganz unpassirbar befunden hatten, sahen wir ein, daß wir nur zwischen den beiden Gletschern an dem Rücken entlang kommen konnten. Eine ganze Strecke gelangten wir auch über spaltenfreies Eis vorwärts. Im Anfang war das Eis hart und holperig, es hatte eine scharfe, rauhe Oberfläche, die unter den Füßen knirschte und unsere Stiefelsohlen ganz unbarmherzig mitnahm. Später kamen wir an etwas weicheren, aber nassen, körnigen Schnee, wo der Fuß ein wenig versank. Es währte jedoch nicht lange, bis wir auf Risse stießen; im Anfang waren es ganz kleine, unschuldige, die wir mit Leichtigkeit überschritten, bald aber wurden sie breiter und, wie es schien, bodenlos. Wir konnten nicht einmal darüber hinwegspringen, sondern mußten um die Risse herumgehen, und auf diese Weise gingen wir bald links, bald rechts. Bekanntlich laufen die Risse gewöhnlich quer über die Richtung, in welcher die Eisströmung sich vorwärts schiebt. Sie entstehen dadurch, daß die Eismassen sich über Erhöhungen und Unebenheiten des untenliegenden Terrains wölben, wodurch natürlich die untersten Schichten des Gletschers zusammengepreßt werden, während der Schnee oder das Eis in den oberen Schichten von einander gerissen wird und bis ganz an den Grund berstet, hierdurch wird ein Riß gebildet, der sich an der Erhöhung entlang zieht, über die der Gletscher sich bewegt. Allmählich, je mehr die Bewegung vorwärts schreitet, bilden sich neue Risse, die alle ungefähr in derselben Richtung laufen.[1] Eine ganze Weile ging alles gut, theils konnten wir uns am Rande der nördlich laufenden Risse halten -- es war kein weiterer Umweg für uns --, theils waren sie nicht sonderlich lang. Sie wurden zum Theil schmäler, so daß wir darüber hinwegspringen oder sie umgehen konnten. Häufig gingen wir auch darüber hinweg über hohle Eisbrücken oder schmale Eisstreifen, die sich dadurch gebildet hatten, daß das Eis nicht ganz geborsten war, sondern daß ein Eisstreifen von einem Rande zum andern hängen blieb und eine schmale, schräge Brücke bildete, von der herab man zu beiden Seiten in die blaue, bodenlose Tiefe hinabschauen konnte. So lange die Schneeschicht auf dem Eise dünn war, gab es keine Gefahr, man konnte sehen, wo fester Grund für den Fuß war, und wo man sich in Acht nehmen oder sich beeilen mußte. Das Seil trugen wir um den Leib geknüpft, es mußte ganz stramm gehalten werden, damit wir uns gegenseitig beim

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