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Kennedy. Was macht Ihr, Sir? Welch neue Dreistigkeit! Zurück von diesem Schrank! Paulet. Wo kam der Schmuck her? Vom obern Stock ward er herabgeworfen, Der Gärtner hat bestochen werden sollen Mit diesem Schmuck – Fluch über Weiberlist! Trotz meiner Aufsicht, meinem scharfen Suchen Noch Kostbarkeiten, noch geheime Schätze! (Sich über den Schrank machend.) Wo das gesteckt hat, liegt noch mehr! Kennedy. Zurück,Verwegener! Hier liegen die Geheimnisse der Lady. Paulet. Die eben such ich.(Schriften hervorziehend.) Kennedy. Unbedeutende Papiere, bloße Übungen der Feder, Des Kerkers traur´ge Weile zu verkürzen. Paulet. In müß´ger Weile schafft der böse Geist. Kennedy. Es sind französische Schriften. Paulet. Desto schlimmer! Die Sprache redet Englands Feind. Kennedy. Konzepte Von Briefen an die Königin von England. Paulet. Die überlief'r ich – Sieh! Was schimmert hier? (Er hat einen geheimen Ressort geöffnet und zieht aus einem verborgenen Fach Geschmeide hervor.) Ein königliches Stirnband, reich an Steinen, Durchzogen mit den Lilien von Frankreich! (Er gibt es seinem Begleiter.) Verwahrt's, Drury. Legt's zu dem übrigen! (Drury geht ab.) Kennedy. O schimpfliche Gewalt, die wir erleiden! Paulet. Solang sie noch besitzt, kann sie noch schaden, Denn alles wird Gewehr in ihrer Hand. Kennedy. Seid gütig, Sir. Nehmt nicht den letzten Schmuck Aus unserem Leben weg! Die jammervolle Erfreut der Anblick alter Herrlichkeit, Denn alles andere habt Ihr uns entrissen. Paulet. Es liegt in guter Hand. Gewissenhaft Wird es zu seiner Zeit zurückgegeben! Kennedy. Wer sieht es diesen kahlen Wänden an, Daß eine Königin hier wohnt? Wo ist Die Himmeldecke über ihrem Sitz? Muß sie den zärtlich weichgewöhnten Fuß Nicht auf gemeinen rauhen Boden setzen? Mit groben Zinn – die schlechtste Edelfrau Würd' es verschmähn – bedient man ihre Tafel. Paulet. So speiste sie zu Sterlyn ihren Gatten, Da sie aus Gold mit ihrem Buhlen trank. Kennedy. Sogar des Spiegels kleine Notdurft mangelt. Paulet. Solang sie noch ihr eitles Bild beschaut, Hört sie nicht auf, zu hoffen und zu wagen. Kennedy. An Büchern fehlt's, den Geist zu unterhalten Paulet. Die Bibel ließ man ihr, das Herz zu bessern. Kennedy. Selbst ihre Laute ward ihr weggenommen. Paulet. Weil sie verbuhlte Lieder drauf gespielt. Kennedy. Ist das ein Schicksal für die Weicherzogne, Die in der Wiege Königin schon war, Am üpp'gen Hof der Mediceerin In jeder Freuden Fülle aufgewachsen! Es sei genug, daß man die Macht ihr nahm, Muß man die armen Flitter ihr mißgönnen? In großes Unglück lehrt ein edles Herz Sich endlich finden, aber wehe tut's, Des Lebens kleine Zierden zu entbehren. Paulet. Sie wenden nur das Herz dem Eiteln zu, Das in sich gehen und bereuen soll. Ein üppig lastervolles Leben büßt sich in Mangel und Erniedrigung allein. Kennedy. Wenn ihre zarte Jugend sich verging, Mag sie's mit Gott abtun und ihrem Herzen – In England ist kein Richter über sie. Paulet. Sie wird gerichtet, wo sie frevelte. Kennedy. Zum Freveln fesseln sie zu enge Banden. Paulet. Doch wußte sie aus diesen engen Banden Den Arm zu recken in die Welt, die Fackel Des Bürgerkrieges in das Reich zu schleudern Und gegen unsere Königin, die Gott Erhalte, Meuchelrotten zu bewaffnen. Erregte sie aus diesen Mauern nicht Den Bösewicht Parry und den Babington Zu der verfluchten Tat des Königsmords? Hielt dieses Eisengitter sie zurück, Das edle Herz des Norfolk zu umstricken? Für sie geopfert fiel das beste Haupt Auf dieser Insel unterm Henkerbeil – Und schreckte dieses jammervolle Beispiel Die Rasenden zurück, die sich wetteifernd Um ihrentwillen in den Abgrund stürzen? Die Blutgerüste füllen sich für sie Mit immer neuen Todesopfern an, Und das wird nimmer enden, bis sie selbst, Die Schuldigste, darauf geopfert ist. – O Fluch dem Tag, da dieses Landes Küste Gastfreundlich diese Helena empfing. Kennedy. Gastfreundlich hätte England sie empfangen? Die Unglückselige, die seit dem Tag, Da sie den Fuß gesetzt in dieses Land, Als eine Hilfeflehende, Vertriebne Bei der Verwandten Schutz zu suchen kam, Sich wider Völkerrecht und Königswürde Gefangen sieht, in enger Kerkerhaft Der Jugend schöne Jahre muß vertrauern – Die jetzt, nachdem sie alles hat erfahren, Was das Gefängnis Bittres hat, gemeinen Verbrechern gleich, vor des Gerichtes Schranken Gefordert wird und schimpflich angeklagt Auf Leib und Leben – eine Königin! Paulet. Sie kam ins Land als eine Mörderin, Verjagt von ihrem Volk, des Throns entsetzt, Den sie mit schwerer Greueltat geschändet. Verschworen kam sie gegen Englands Glück, Der spanischen Maria blut'ge Zeiten Zurückzubringen, Engelland katholisch Zu machen, an den Franzmann zu verraten. Warum verschmähte sie's, den Edinburger Vertrag zu unterschreiben, ihren Anspruch An England aufzugeben und den Weg Aus diesem Kerker schnell sich aufzutun Mit einem Federstrich? Sie wollte lieber Gefangen bleiben, sich mißhandelt sehen, Als dieses Titels leerem Prunk entsagen. Weswegen tat sie das? Weil sie den Ränken Vertraut, den bösen Künsten der Verschwörung, Und unheilspinnend diese ganze Insel Aus ihrem Kerker zu erobern hofft. Kennedy. Ihr spottet, Sir – Zur Härte fügt Ihr noch den bittern Hohn! Sie hegte solche Träume, Die hier lebendig eingemauert lebt, Zu der kein Schall des Trostes, keine Stimme Der Freundschaft aus der lieben Heimat dringt, Die längst kein Menschenangesicht mehr schaute Als ihrer Kerkermeister finstre Stirn, Die erst seit kurzem einen neuen Wächter Erhielt in eurem rauhen Anverwandten, Von neuen Stäben sich umgittert sieht – Paulet. Kein Eisengitter schützt vor ihrer List. Weiß ich, ob diese Stäbe nicht durchfeilt, Nicht dieses Zimmers Boden, diese Wände, Von außen fest, nicht hohl von innen sind Und den Verrat einlassen, wenn ich schlafe? Fluchvolles Amt, das mir geworden ist, Die unheilbrütend Listige zu hüten. Vom Schlummer jagt die Furcht mich auf, ich gehe Nachts um, wie ein gequälter Geist, erprobe Des Schlosses Riegel und der Wächter Treu' Und sehe zitternd jeden Morgen kommen, Der meine Furcht wahr machen kann. Doch wohl mir! Wohl! Es ist Hoffnung, daß es bald nun endet. Denn lieber möcht' ich der Verdammten Schar Wachstehend an der Höllenpforte hüten, Als diese ränkevolle Königin. Kennedy. Da kommt sie selbst! Paulet. Den Christus in der Hand, Die Hoffart und die Weltlust in dem Herzen. Zweiter Auftritt Maria im Schleier, ein Kruzifix in der Hand. Die Vorigen. Kennedy (ihr entgegeneilend). O Königin! Man tritt uns ganz mit Füßen, Der Tyrannei, der Härte wird kein Ziel Und jeder neue Tag häuft neue Leiden Und Schmach auf dein gekröntes Haupt. Maria. Faß dich! Sag an, was neu geschehen ist? Kennedy. Sieh her! Dein Pult ist aufgebrochen, deine Schriften, Dein einz'ger Schatz, den wir mit Müh gerettet, Der letzte Rest von deinem Brautgeschmeide Aus Frankreich ist in seiner Hand. Du hast nun Nichts königliches mehr, bist ganz beraubt. Maria. Beruhige dich, Hanna. Diese Flitter machen Die Königin nicht aus. Man kann uns niedrig Behandeln, nicht erniedrigen. Ich habe In England mich an viel gewöhnen lernen, Ich kann auch das verschmerzen. Sir, Ihr habt euch Gewaltsam zugeeignet, was ich euch Noch heut zu übergeben willens war. Bei diesen Schriften findet sich ein Brief, Bestimmt für meine königliche Schwester Von England – Gebt mir Euer Wort, daß Ihr Ihn redlich an sie selbst wollt übergeben Und nicht in Burleighs ungetreue Hand. Paulet. Ich werde mich bedenken, was zu tun ist. Maria. Ihr sollt den Inhalt wissen, Sir. Ich bitte In diesem Brief um eine große Gunst – Um eine Unterredung mit ihr selbst, Die ich mit Augen nie gesehen – Man hat mich Vor ein Gericht von Männern vorgefordert, Die ich als meinesgleichen nicht erkennen, Zu denen ich kein Herz mir fassen kann. Elisabeth ist meines Stammes, meines Geschlechts und Ranges – Ihr allein, der Schwester, Der Königin, der Frau kann ich mich öffnen. Paulet. Sehr oft, Mylady, habt Ihr Euer Schicksal Und Eure Ehre Männern anvertraut, Die Eurer Achtung minder würdig waren. Maria. Ich bitte noch um eine zweite Gunst, Unmenschlichkeit allein kann mir sie weigern. Schon lange Zeit entbehr ich im Gefängnis Der Kirche Trost, der Sakramente Wohltat. Und die mir Kron' und Freiheit hat geraubt, Die meinem Leben selber droht, wird mir Die Himmelstüre nicht verschließen wollen. Paulet. Auf Euren Wunsch wird der Dechant des Orts – Maria. (unterbricht ihn lebhaft). Ich will nichts vom Dechanten. Einen Priester Von meiner eigenen Kirche fordre ich. – Auch Schreiber und Notarien verlang ich, Um meinen letzten Willen aufzusetzen. Der Gram, das lange Kerkerelend nagt An meinem Leben. Meine Tage sind Gezählt, befürcht ich, und ich achte mich Gleich einer Sterbenden. Paulet. Das tut Ihr wohl, Das sind Betrachtungen, die Euch geziemen. Maria. Und weiß ich, ob nicht eine schnelle Hand Des Kummers langsames Geschäft beschleunigt? Ich will mein Testament aufsetzen, will Verfügung treffen über das, was mein ist. Paulet. Die Freiheit habt Ihr. Englands Königin Will sich mit Eurem Raube nicht bereichern. Maria. Man hat von meinen treuen Kammerfrauen, Von meinen Dienern mich getrennt – Wo sind sie? Was ist ihr Schicksal? Ihrer Dienste kann ich Entraten, doch beruhigt will ich sein, Daß die Getreun nicht leiden und entbehren. Paulet. Für Eure Diener ist gesorgt. (Er will gehen.) Maria. Ihr geht, Sir? Ihr verlaßt mich abermals, Und ohne mein geängstigt fürchtend Herz Der Qual der Ungewißheit zu entladen. Ich bin, dank Eurer Späher Wachsamkeit, Von aller Welt geschieden, keine Kunde Gelangt zu mir durch diese