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Lieber Genosse, ich sende Ihnen Leonids Schriften. Er wollte sie veröffentlichen, -- Sie verstehen sich auf diese Dinge besser als ich. Leonid hat sich verborgen. Ich verlasse das Krankenhaus, um ihn zu suchen. Meiner Ansicht nach wird er in den Bergwerksgebieten zu finden sein, wo sich eben gewaltige Ereignisse vorbereiten. Anscheinend ist das Ziel seiner Flucht -- ein verborgener Selbstmordversuch, die Folge seiner Geisteskrankheit. Und er war doch der völligen Heilung schon so nahe.

Sobald ich etwas erfahre, werde ich Sie verständigen.

Mit herzlichen Grüßen Ihr N. Werner.

24. Juli 19..

Leonids Manuskript

Erster Teil

Der Bruch

Es war zu jener Zeit, da in unserem Lande der gewaltige Zusammenbruch seinen Anfang nahm, jener Zusammenbruch, der noch heute weiter geht und der sich, meiner Ansicht nach, dem unvermeidlichen, drohenden Ende nähert.

Die ersten blutigen Tage erschütterten dermaßen das gesellschaftliche Bewußtsein, daß alle den raschen und leuchtenden Ausgang des Kampfes erwarteten; es schien, als wäre das Aergste bereits geschehen, als könne es gar nichts Aergeres mehr geben. Niemand vermochte sich vorzustellen, wie unerbittlich starr die knochige Gespensterhand sei, die alles Lebendige erdrosselt hat und auch noch heute in ihrer verkrampften Umarmung festhält.

Die Erregung des Kampfes durchströmte die Massen. Die Seelen der Menschen eilten unbändig der Zukunft entgegen, die Gegenwart verschwamm in einem rosigen Nebel, die Vergangenheit entschwand irgendwo, in weiten Fernen, wurde aus den Augen verloren. Alle menschlichen Verhältnisse waren unsicher und verschwommen, wie noch nie zuvor.

In jenen Tagen ereignete sich all das, was mein Leben verwandelte und mich aus der Sturzflut des proletarischen Kampfes fortriß.

Trotz meiner siebenundzwanzig Jahre war ich in der Arbeiterpartei einer der »Alten«. Es wurden mir sechs Jahre der Arbeit angerechnet, unterbrochen durch ein Jahr Gefängnis. Früher als manch anderer fühlte ich das Nahen des Sturmes, und ging ihm auch gelassener entgegen. Es war nötig, weit mehr als bisher zu arbeiten, dennoch gab ich meine Studien nicht auf; besonders interessierten mich die Fragen der Struktur der Materie. Doch war dies nicht nur platonisch, sondern ich schrieb auch für wissenschaftliche Zeitschriften, verdiente auf diese Art mein Brot. Zu jener Zeit liebte ich, oder glaubte zumindest zu lieben.

FAQ

Is Der rote Stern free to read online?

Yes. Read Der rote Stern by Alexander Bogdanow online free on typereader, in German - no signup needed. Tap any word for an instant translation while you read.

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Der rote Stern sits around CEFR B2. Because every word has a one-tap translation, it also works a level below B2 for learners of German.

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