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In den großen Lichthof des reichen Mehlhändlers Theon, der aus Ägypten nach Rom gekommen war, strahlte die Frühsonne eines Junitages. Sie strahlte von dem rosenüberwucherten Garten quer durch das Tor des Hinterhauses und schoß einige glückliche Strahlen bis zum Atrium vor, denn auch die Mitteltüre stand offen; nicht der Sonne wegen, denn unter ihrer Übermacht begann man bereits zu leiden, sondern aus Sehnsucht nach Morgenkühle, die nun den ganzen schwülen Palast durchstrich.

Frühsonne und Morgenkühle ergötzten aber mit ihrer vollen Würze nur ~einen~ Mann in den vielen Räumen. Er saß hinter den Säulen des Lichthofes, hatte würdevoll einen Krückstock in der Rechten, strich den stattlichen schwarzen Bart, zupfte den Mantel zurecht und hatte ganz das Aussehen eines Thronenden, der bereit ist, seine Beamten und Untertanen zu empfangen. Von Zeit zu Zeit drehte er sein schmales, dunkles Haupt horchend gegen den Vorhang, vor dem er saß und der ein Zimmer nur halb verhüllte und nur schwach die Stimmen eines Knaben und seines Lehrers dämpfte, die hier bisweilen hart und laut gegeneinander stritten.

Der Mann mit dem würdigen Äußern und dem Krückstock war der »Pädagoge« dieses Knaben, des einzigen Sohnes des Mehlhändlers Theon. Während dem Lehrer und Hofmeister oblag, den Herrensohn, den man mit dem Kosenamen Theonas zu rufen pflegte, zu unterrichten, war der Pädagoge nichts weiter als der Knabenführer. Er hatte den Auftrag, ihn zu bedienen, ihn durch die Straßen zu geleiten und ihm über verkehrreiche Plätze den Weg zu bahnen. Die einzige Unterweisung, die ihm zustand, war, den kecken Knaben bisweilen zu mahnen, daß der Anstand ihm gebiete, gesenkten Hauptes einherzugehen, und daß er nicht versäume, Bekannte seines Vaters und angesehene Männer zu grüßen. Diese Mahnungen waren auch die einzigen Auflagen, die ihm beschwerlich fielen. Denn sie erforderten einen gewissen Mut, einen Entschluß und den Aufwand eigenen Willens, während es ihm durchaus unbeschwerlich schien, Befehle, die andere erdacht hatten, auszuführen und sogar Schimpfworte und Schläge von seinem Schüler hinzunehmen. Er war tief überzeugt, daß der Herr ausschließlich die tätige, der Sklave die leidende Form des Lebens darstelle, und fand es ganz in der Ordnung, daß der kleine Theonas ihn Mulus nannte. Denn sein Beruf war wirklich der eines Maulesels, eines Lasttieres.

Domande frequenti

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