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Zwischen Ulmen und Platanen geht die schöne, staubweiße Dreikantonstraße quer durch das Luxemburger Ländchen, von der Mosel nach der belgischen Grenze. Allerhand bäuerliches Fuhrwerk zieht dort seine Spuren. Straßenwärter lehnen, stets verschnaufend, am Grabenrand auf ihren Schaufeln und Hacken. Um die Osterzeit liegen vor den Kilometersteinen bunte Eierschalen, von allerhand Wandervolk nach Rast und Wegzehrung hingestreut. Es ist, als ob’s im Erdreich ringsum von erwachendem Leben knistre. Manchmal kommt aus der Ferne das leise Geklingel eines Schellenkranzes, zwei magere Gäule schleppen einen gelben Kasten auf Rädern vorbei; durch die klapprigen Fenster sieht man im Innern müde Gesichter mit geschlossenen Augen vornüber nicken: der Omnibus. Im Herbst schwelt dünner Rauch von brennendem Kartoffelkraut über die Straße, und fernher zieht über die leeren Stoppelfelder unsäglich wehmütig der Choralgesang eines Bauernbuben, der hungrig um seine Kühe kreist und überm Singen an die duftigen Knollen denkt, die er sich in der Asche des Kartoffelfeuers brät.

Am schönsten ist es auf der Dreikantonstraße an sonnigen Septemberabenden. Dann dampft goldener Nebel zwischen den Bergen am Horizont. Es ist der zerfließende Rauch der Hochöfen im Süden und Westen. Da schmelzen sie das Erz, das die braunen Italiener aus den zerrissenen Eingeweiden der Erde herauswühlen, und hinter den Bergen, dort herum, wo drei Grenzen sich schneiden und das sonore Französisch des Beckens von Longwy mit den trotzigen Kehllauten altdeutscher Neulothringer und dem breitspurigen Luxemburger Platt der Escher Gegend unvermittelt zusammenklingt, da sinkt jetzt der Sonnenball langsam hinweg in den Dämmerrauch, den er sich zu leuchtenden Schleiern vergoldet hat.

Wiesing ist eines der schönsten Dörfer an der Dreikantonstraße. An der Straßenkreuzung steht ein vornehmes, altes Gasthaus mit altmodischer französischer AufschriftAuberge. – On loge à pied et à cheval. – Epicerie.“ Hinter einem Fenster, in einem hohen Glaspokal, dicke Lakritzstangen, in einem andern brauner und gelber Kandiszucker. Ein weißes Porzellanfäßchen trägt die Aufschrift: Obourg, – ein anderes die Worte: Poudre de chasse, bei denen alle Bubenherzen höher schlagen. Rechts von der Freitreppe, die zum Hausflur hinaufführt, steht eine hölzerne Pferdekrippe mit Ringen zum Ankoppeln. Zwischen geköpften Silberpappeln, die im Frühjahr ihre Lämmerschwänzchen und im Herbst ihre hellgelben, welken Blätter über die Straße streuen, ragt ein uraltes Steinkreuz mit bemoostem Altartisch davor. Dort hält an Fronleichnam, bei der Kirchweih und am Muttergottestag die Prozession, und alles kniet andächtig in der Runde. Der Herr Pastor hebt über die gesenkten Häupter segnend die blitzende Monstranz, während die feiertäglich duftenden Weihrauchwolken steigen, Silberschellchen bimmeln, in der Ferne dumpf die Böller knallen, die Glocken zu Hauf läuten und in der Gaststube drin ein paar Burschen, die lieber im Wirtshaus Gottesdienst feiern, stumm an ihren Sonntagszigarren saugen und hinter den weißen Tüllvorhängen verstohlen hinausäugen.

Domande frequenti

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