Excerpt
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Früh am Abend, ungefähr um 8 Uhr, landeten wir endlich in dichtem Nebel bei unserm letzten Zeltplatz an der Ostküste von Grönland. Im selben Augenblick, als ich den Fuß ans Land setzte, stieg ein Schwarm Schnepfen auf und ließ sich gleich wieder auf einem Stein ganz in unserer Nähe nieder. Mit einem Schuß erlegte ich vier dieser leckeren Vögel; das war ein guter Anfang.
Balto war so muthig und obenauf, daß er, kaum an Land gekommen, die große Sünde beging, einen der Pfarrer in Finmarken in einer längeren Messe nachzuahmen, was ihm vorzüglich gelang; er würde es jedoch niemals gethan haben, wenn er seines Lebens nicht ganz sicher gewesen wäre. Heute leistete er sich auch sogar einen kleinen Fluch, was seit langer Zeit nicht mehr vorgekommen war. Ja, er lieferte Ravna sein neues Testament in lappländischer Sprache zurück, das er von diesem geliehen und für ihn aufbewahrt hatte. Er meinte, jetzt habe er keine Verwendung mehr dafür. Als Sverdrup ihm sagte, er solle seiner Sache nur nicht gar zu sicher sein, es wäre noch mancher harte Strauß zu bestehen, ehe er die Westküste erreichte, wurde er doch ein wenig bedenklich und hielt mit dem Fluchen inne. Wir hatten nach und nach eine gute Uebung im schnellen Löschen unseres Bootes erlangt, niemals aber haben wir schneller gelöscht als an diesem Abend. Es lag ein fröhlicher Eifer in allem, was wir vornahmen, und derselbe wurde noch gesteigert durch mein Versprechen, Kaffee zu kochen.
In meinen Tagebuchaufzeichnungen von diesem Tage heißt es u. a. folgendermaßen: „Während die Boote geleert wurden, machte ich mich ans Kaffeekochen. (Es war die zweite warme Mahlzeit in den zwölf Tagen, die wir an der Ostküste zugebracht hatten.) Der Kaffee und das Abendessen wurden auf den Felsklippen unten bei den Böten in heiterster Stimmung eingenommen, -- selbst die Lappen waren vergnügt. Wir hatten das Gefühl, einen Bestimmungsort erreicht und eine Schwierigkeit überwunden zu haben. Freilich stand uns der beschwerlichste Theil der Reise noch bevor, aber da war festerer Grund für unsere Schritte, sicheres Eis für unsere Berechnungen, -- keine treibenden Eisschollen, keine Böte, die jeden Augenblick zerschellen konnten. Besonders für die Lappen war das Inlandseis mit seinen Schneefeldern heimischer als das wandelbare Treibeis. Die Landschaft, die uns umgab, würde nicht jedem Auge so schön erschienen sein wie dem unsrigen. Es waren graue Gneisfelsen, auf denen wir saßen, und zu beiden Seiten waren wir von Eisgletschern umgeben, die direkt ins Meer hinausgingen. Der Nebel hatte sich ein wenig verzogen, so daß auch der Berg (Kiatak) wenigstens theilweise sichtbar wurde. Auf dem Wasser schwammen hie und da einige Stücke Gletschereis. Es war eine Mischung von Grau und Weiß, hin und wieder von Blau unterbrochen, -- graue Luft, bleigraues Meer mit weißen Eisschollen und graue Felsen mit weißem Schnee rings umher und dann ein klein wenig Blau in den Schluchten der Gletscher oder in dem Gletschereis draußen auf dem Wasser. Aber in unsern Herzen war kein Grau!“
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